Report von den OpenDays 2014 in Louvain-la-Neuve

veröffentlicht in Consulting am 8. Jun. 2014 Tags: , , , ,

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Auch in diesem Jahr war initOS wieder bei den OpenDays, dem jährlichen Treffen aller OpenERP / Odoo Partner [5], dabei.
Dieses Mal hat das Treffen nicht wie im letzten Jahr an der Freien Universität in Brüssel [4] stattgefunden, sondern in der Retortenuniversitätsstadt Louvain-la-Neuve [1].

Nachdem die Firma hinter OpenERP, die OpenERP S.A., kurz vorher im Rahmen einer zweiten Finanzierungsrunde in Höhe von 10 Mio. [2] den Namen des Produkts erneut geändert hatte, war die Verunsicherung unter Partnern, aber auch unter den Nutzern recht groß. Zuwenig war gegenüber den Partnern und anderen Stakeholdern im Vorfeld bekannt gemacht worden und zu schlecht waren und sind die Informationen für diesen Schritt auch während und im Nachgang zum Pressetermin aufbereitet worden.

Dennoch konnten gerade die OpenDays für Klarheit innerhalb der Community sorgen und einige Dinge ins rechte Licht rücken. So ist zum Beispiel die Umbenennung der Marke von OpenERP in Odoo zunächst ein schlecht nachzuvollziehender Schritt gewesen. Nach Aussagen des Chief Sales Officers Xavier Pansaers jedoch ist das nötig gewesen, weil OpenERP bis dato schwach im nordamerikanischen Markt vertreten war und der Grund unter anderem darin identifiziert wurde, dass die Abkürzung ERP (Enterprise Resource Planning) vor allem ein Synonym für lange und risikoreiche Einführungsprojekte ist. Dem können wir zumindest, insofern es die U.S. amerikanische Denkweise betrifft, folgen.

Allerdings macht natürlich die reine Umbenennung des Namens ein Einführungsprojekt nicht weniger aufwendig und die im Oktober 2013 von Odoo vorgeschlagene Kick-Start Einführung ist bei deutschen KMU nur in sehr handverlesenen Fällen überhaupt ein sinnvoller Ansatz [6,7]. Um dieses Problem auf der konzeptuellen Ebene zu lösen, hat man bei OpenERP/Odoo beschlossen, die zuvor als einzelne Module verfügbaren Funktionsbündel (wie zum Beispiel CRM oder Projektmanagement) als sogenannte Business Apps zu betrachten. Jeder dieser Business Apps kann einzeln installiert und genutzt werden (unter Nutzung der Odoo Plattform) und mit dem Wachstum des Unternehmens und seiner Anforderungen um weitere Business Apps (wie zum Beispiel e-Commerce und Websitebuilder) erweitert werden. Partner können ihre Module und Erweiterungen ebenso über den App Store bereitstellen. Der Vorteil dieses modularen Aufbaus ist, dass der Kunde auch nur diejenigen Funktionen tatsächlich supporten lassen sollte, die er wirklich nutzt. Aktuell sieht die neue Servicestruktur so aus, dass jeder aktive Nutzer [12] für die Wartung, Updates, die Zusicherung unbeschränkter Bugfixes, das Hosting (wenn dies gewünscht auf Servern von OpenERP/Odoo) und die Migration eine Pauschale von 12 Euro pro Funktionsbündel bezahlt [3]. Der Kunde im e-Commerce, der einen eigenen Login hat und seine Versandadresse schreibend ändern können soll (und muss) gilt aktuell als aktiver Nutzer. Damit sorgt er im Zweifel für sehr hohe Wartungskosten. Wir gehen deshalb davon aus, dass  -so jedenfalls unsere Hoffnung und nach einigen Aussagen von Odoo Mitarbeitern- bald noch einmal eine geringfügige Korrektur an dem Preismodell durchgeführt wird. Ohnehin ist sowohl die Preisgestaltung des Services als auch die Sicherstellung seiner Qualität noch verbesserungsfähig.

Wir haben vor Ort die Chance genutzt diese Punkte gegenüber dem Gründer und Erfinder von Odoo Fabien Pinckaers, dem Marketing- und Renewal Team und der Verantworlichen Leiterin des Supportteams Phuong Luu -wie auch vielen anderen der Odoo Partner- klarzumachen. Wir denken und glauben daher daran, dass sich an dieser Strategie in Kürze noch etwas ändern wird. Wir werden jede wesentliche Änderung jedefalls zeitnah mitteilen und diese auch unseren Kunden zur Verfügung stellen.

Eine weitere wesentliche Errungenschaft dieser OpenDays war die Gründung der ODOO Community Assosiaction (OCA), um deren frich gewählten Präsidenten (Joël Grand-Guillaume vom Partner CamptoCamp [9]). Die OCA ist eine Interessenvertetung vieler Partner, Nutzer und freier Softwareentwickler, die es sich zum Ziel gesetzt hat, durch geteilten Aufwand (shared effort) und das Einwerben von Mitteln (fundraising), gemeinsame Entwicklungsaktivitäten und Produktentwicklungen voranzubringen (z.B. Lokalisierung für die verschiedenen Länder, OpenUpgrade zur Migration [11]), um zum einen die Entwicklung des Produktes über die Aktivitäten von OpenERP S.A. hinaus zu beschleunigen und so auch ein gewisses strategisches Gegengewicht der Partner und Nutzer gegenüber Odoo S.A. zu platzieren. Zwar brachte Fabien Pinckaers berechtigterweise zum Ausruck, dass das Geschäftsmodell von Odoo S.A. durch einige dieser Entwicklungen (wie z.B. OpenUpgrade) empfindlich leiden könnte, aber alles in allem herrschte Konsens darüber, dass in der Summe der Vor- und Nachteile mit der OCA ein wesentlicher Entwicklungsschritt hin zu einer der bedeutensten Plattformen für Enterprise Computing getan worden ist und dieser lange überfällig war. Die initOS GmbH & Co. KG begrüßt diesen Schritt außerordentlich und wird sich zunächst als Unternehmen und sicher auch individuel aktiv an der OCA beteiligen.

Im Übrigen ist ein sehr offener und konstruktiver Umgang der Partner untereinander festzustellen. Sowohl national wie auch international. Das gemeinsame Ziel ist nicht weniger als die bedeutenste Enterprise Application Plattform der Welt zu werden und damit Fabien Pinckaers einstigen Traum in die Realität umzusetzen [2].

Der europäische Markt besteht aus über 99% kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) von denen die Mehrheit ein solches System in den nächsten Jahren einführen wird oder werden muss, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben. Deshalb und aufgrund der grundsätzlich offenen Kultur von Open Source Projekten, kommt die weitreichende Kollaboration nicht nur diesen, sondern vor allem auch deren Kunden und dem Produkt selbst zugute.

Die deutschen Partner planen im Übrigen noch in diesem Jahr eine gemeinsame Veranstaltung für Kunden und Interessenten durchzuführen. Wir werden selbstverständlich über News zum Thema informieren, sobald diese vorliegen.

Sollten Sie Fragen zum Produkt, der strategischen Entwicklung oder ähnlichen Themen haben, zögern Sie nicht uns anzurufen.
Ihr kontinuerliches und bitte durchaus auch kritisches Feedback, spielt gerade bei der Entwicklung von Open Source Software wie Odoo eine unschätzbar wichtige Rolle!

Sie erreichen uns unter der Telefonnummer +49 (0)4105 5615699 oder per Mail an info@initos.com.

Ihr initOS-Team

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Louvain-la-Neuve
[2] https://www.odoo.com/blog/Odoo-Blog-1/post/The-OpenERP-StoPricing-Q3-2014-158
[3] https://www.odoo.com/blog/Odoo-Blog-1/post/Odoo-The-New-OpenERP-156
[4] http://www.ulb.ac.be/
[5] https://www.odoo.com/partners
[6] http://www.linuxtag.org/2014/de/programm/vortragsdetails/?eventid=1408
[7] http://chemnitzer.linux-tage.de/2014/de/vortraege/detail/271
[8] https://www.odoo.com/page/about-us
[9] https://twitter.com/jgrandguillaume
[10] http://odoo-community-association.org/
[11] https://github.com/OpenUpgrade/OpenUpgrade
[12] https://openerp.my.openerp.com/forum/Help-1/question/I-will-be-charged-by-active-users-does-this-mean-how-many-people-use-the-program-or-how-many-clients-I-have-in-my-database-6477

Über Frederik Kramer

Technischer Geschäftsführer der initOS GmbH und Doktorand am Magdeburg Research and Competence Cluster (MRCC) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Ihr Experte im Bereich der Strategischen Nutzung von Open Source Software im Unternehmen.

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Datenvisualisierung mittels WordCloud

veröffentlicht in Communication,Consulting am 29. Nov. 2013

Herausforderung

Eine zentrale Herausforderung in vielen Unternehmen und Organisationen ist große Mengen an Daten zu aggregieren bzw. wie das im Neudeutsch heißt „managementkompatibel“ aufzubereiten.Gerade im Kontext des kaum begreifbaren Datenwachtums das der IT-Analyst IDC für die kommenden Jahre voraussagt (es werden laut deren Analyse 2015 weltweit  knapp 8 Zetabytes oder 8 Trillionen Gigabyte Daten sein, siehe [1]) wird es immer wichtiger werden effiziente Mittel zu finden, strukturierte, semi-strukturierte und unstrukturierte Daten zu visualisieren und Sinnvolles darin zu finden. Aber selbst scheinbar überschaubare Datenmengen wie zum Beispiel der gerade veröffentlichte 185 Seiten starke Koalitionsvertrag der CDU / CDU und SPD stellt die Konzentration eines Managers vor eine unlösbare Aussage, wenn er sich in wenigen Minuten einen groben Überblick über das Inhaltsprofil verschaffen will.
Es sei denn der Manager ist Nummer 5 ‚-) [5].

Lösungsansatz

Eine triviales Beispiel so einer Datenaggregation soll anhand eben diese Koalitionsvertrages demonstriert werden. Hierzu kann mittels ein paar einfacher Shell-Befehle  (siehe [1]) zunächst ein PDF-Dokument in eine ASCII Repräsentation verwandelt  werden. Diese sollte im Anschluss um nicht druckbare Zeichen und Stop-Wörter in der Sprache des Textes (z.B. und, aber, weil) bereinigt werden. Danach lässt sich die Liste zum Beispiel alphabetisch sortieren oder Worthäufigkeiten berechnen. Für unser Beispiel wird sie letztlich mittels eines Wordcloud Generator (siehe [2]) in eine entsprechend visualisierte Form gebracht. Natürlich ist theoretisch auch eine entsprechenden API und eine vollständige Integration in ein Dokumentenmanagementsystem möglich.

Ergebnisinterpretation

Das Ergebnis auf die 50 häufigsten Wörter hochaggregiert sieht wie folgt aus:

Wordcloud

Beim Betrachten des Resultats für den Entwurf des Koalitionsvertrages kann man nun auf einen Blick erkennen, was die wesentlichen Schwerpunkte des Quelldokumentes sind. In unserem Beispiel liegt ein sehr hohes Gewicht der Koalitionäre auf  Deutschland (167 Nennungen), den Menschen (126 Nennungen), Europa (113 Nennungen) sowie der Sicherheit (96 Nennungen).  Die Gesellschaft (95 Nennungen) und Unternehmen (83 Nennungen) folgen.  Arbeit (79 Nennungen) , Innovation (75 Nennungen), Entwicklung (75 Nennungen) und Bildung (67 Nennungen) als Schlüssel für Wohlstand (72 Nennungen) sind da schon weniger häufig vertreten. Bleibt zu hoffen dass es nicht bei einem ähnlich vehementen Gefälle von Generischer Zielformulierung zu letztlicher Umsetzung bleibt. Eine politische Analyse des Inhaltes soll aber hier ebenfalls Fachleuten überlassen werden.

Referenzen

[1] J. Gantz and D. Reinsel, Extracting Value from Chaos, IDC Iview, Juni 2011

[2] http://skipperkongen.dk/2011/09/07/creating-a-word-cloud-from-pdf-documents/

[3] http://www.wordle.net/

[4] https://docs.google.com/file/d/0B9F6ub8wD7gqOWtMa29LVGoyZ2s/edit

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Nummer_5_lebt!

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Technischer Geschäftsführer der initOS GmbH und Doktorand am Magdeburg Research and Competence Cluster (MRCC) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Ihr Experte im Bereich der Strategischen Nutzung von Open Source Software im Unternehmen.

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Die Mathematik von Microsoft

veröffentlicht in Consulting,Software Engineering am 11. Mrz. 2012

Ich werde mal versuchen, ein Thema, das mich seit einige Monate beschäftigt, kurz mit Hilfe von Bildern auf den Punkt zu bringen. Ich halte Hyper-V, die Virtualisierungslösung von Microsoft für eine unausgereifte Technologie.

Erstens erlaubt es Hyper-V als Einzige der prominenten Virtualisierungstechnologien (KVM, XEN, VMware) nicht, mehr Speicher an die Clients zuzuweisen, als dem Host insgesamt zur Verfügung steht (sogenanntes Memory Overcommitment). Zum anderen scheint selbst das Zuweisen real existierender Ressourcen lausig implementiert zu sein.

Grundauslastung des Hyper-V Hosts

Grundauslastung des Hyper-V Hosts

 

Will man auf einem mit 24 GB ausgestatteten Windows 2008 Small Business Server (Dell T-710) mit einer Quad Core CPU einer virtuellen Maschine mehr als etwa 10 GB Arbeitsspeicher zuweisen (ein genauer Grenzwert bei dem der Fehler auftritt ist nicht feststellbar. In unseren Versuchen zwischen 8 und ca. 10,5 GB) bekommt man folgende Fehlermeldung.

Fehler beim Start des Hyper-V Clients

Fehler beim Start des Hyper-V Clients

 

Man schaue sich den Fehlernamen in Verbindung mit der Begründung dazu an. Wir wissen nicht was exakt da schief gelaufen ist, aber wir würden Microsoft davon abraten wollen, sich an der Neudefinition mathematischer Grundrechenarten zu beteiligen. Unseren Kunden würden wir vorerst ans Herz legen keine Microsoft Produkte wie Excel oder dergleichen mehr zu verwenden, denn es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die offensichtlich fehlerhafte Berechnungsfunktion auch dort zum Einsatz kommt ‚-)

Über Frederik Kramer

Technischer Geschäftsführer der initOS GmbH und Doktorand am Magdeburg Research and Competence Cluster (MRCC) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Ihr Experte im Bereich der Strategischen Nutzung von Open Source Software im Unternehmen.

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