Rechtssicherheit im Online-Handel

veröffentlicht in Communication am 5. Sep. 2016 Tags: , , ,

Um uns über das geltende Recht zum Thema Online-Handel zu informieren, besuchten wir einen Vortrag der Magdeburger IHK zum Thema Rechtssicherheit im Online-Handel.
Abmahnungen wegen rechtswidriger Webseiten sind in aller Munde. Eine 1. Abmahnung wird meist mit einer Strafandrohung zwischen 500,- € und 1.300,- € zugestellt. Bei Wiederholung wird in der Regel mit einer Strafe ab 5.001,- € gedroht. Ab dieser Summe besteht Anwaltspflicht. Im Falle eines Rechtsstreites muss die Abmahnung vor dem Landesgericht verhandelt werden. Seitens der Anwälte werden bewusst kurze Fristen zur Änderung der Inhalte auf der Webseite oder im Onlineshop gesetzt.
Folgendes sollten Sie bei der Gestaltung Ihres Online-Shops oder Ihrer Webseite unbedingt beachten, um eine solche Abmahnung und die damit verbundenen möglichen Kosten zu vermeiden.

    1. Alleinstellungs- und Alterswerbung (Jubiläen): Angaben wie „Bestes Hundefuttersortiment“, „1. Onlineshop“, „größter Schraubenhersteller“, „5 Jahre initOS“ usw. sind zulässig, wenn sie stimmen. Der Nachweis muss nach objektiven Kriterien erfolgen können.
    2. Belästigende Werbung § 7 UWG (Telefon-, Fax-, E-Mail- und SMS-Werbung): Werbung per Telefon, Fax, E-Mail oder SMS sind immer nur dann zulässig, wenn der Verbraucher seine ausdrückliche Einwilligung erteilt hat. Werbung per Brief oder durch einen Vertreterbesuch sind zulässig, es sei denn der Verbraucher widerspricht diesem (zum Beispiel Aufkleber am Briefkasten). Beim Rechnungsversand darf erst ab der zweiten Rechnung Werbung mitgeschickt werden. Empfehlungsfunktionen nach Kaufabschluss á la „Wollen Sie nicht noch dies und das kaufen“ wie bei Amazon sind rechtswidrig. Auch Partnerwerbung „Möchten Sie weitere tolle Angebote von uns und unseren Partnern erhalten?“ sind unzulässig.
    3. Chiffrewerbung / Impressum: Da der Verantwortliche einer Anzeige oder Webseite identifizierbar sein muss, ist es nicht zulässig unter einer Chiffre zu werben. Im Impressum muss der vollständige Name und die USt-ID angegeben sein. Seit 09.01.2016 ist bei Verbrauchsgüterkäufen ein Link auf die Schlichtungsstelle (http://ec.europa.eu/consumers/odr/) unbedingt ins Impressum zu setzen.
    4. Gesundheitswerbung: Jedes Heilversprechen, auch wenn eine schulmedizinische Wirkung nachgewiesen ist, ist rechtswidrig. Erlaubt sind allgemeine Aussagen wie „Obst und Gemüse können das Immunsystem stärken!“.
    5. Gütesiegel und Qualitätskennzeichen § 2 (3) UWG: Es darf mit Gütesiegeln und Qualitätskennzeichen geworben werden, wenn diese tatsächlichen Kontrollen unterliegen. Die Werbung mit CE-Kennzeichen ist nur erlaubt, wenn es nicht im Zusammenhang mit anderen Gütesiegeln steht. Zum Beispiel: CE/TÜV/GS- geprüft.
    6. Irreführende Werbung:
      Rechtswidrig sind:

      • unwahre Werbeaussagen
      • wahre Werbeaussagen, die missverstanden werden könnten
      • Werbung mit Selbstverständlichkeiten
      • Irreführung durch Unterlassung
      • verschiedene optische Darstellungsformen (zum Beispiel: Werbeaussage groß und fett, aber Einschränkungen oder Erläuterungen kleingedruckt)
    7. Werbung für und mit Kindern: Werbung für und mit Kindern ist grundsätzlich erlaubt, aber unterliegt strengen gesetzlichen Vorschriften. Verboten sind:
      • die direkte Ansprache an Kinder oder Aufforderung, die Eltern zu fragen
      • die jegliche Form von Ausnutzung der geschäftlichen Unerfahrenheit
      • das Ausnutzen von Gruppenzwang
    8. Lockvogelwerbung: Hierunter wird Werbung für besonders deutlich reduzierte Produkte verstanden, die Kunden in den Laden locken sollen. Diese Werbung ist zulässig. Jedoch muss der Händler dafür sorgen, dass die Ware in ausreichender Menge zur Verfügung steht. (Mindestens 2 Tage.) „Solange der Vorrat reicht!“ ist nicht ausreichend.
    9. Mondpreiswerbung: Nach dem UWG § 5 Abs. 4 wird vermutet, dass es irreführend ist, mit reduzierten Preisen zu werben, wenn der frühere (höhere) Preis nur für einen unangemessen kurzen Zeitraum gefordert wurde. Zulässig ist der Vergleich mit dem UVP des Herstellers, wenn darauf ausdrücklich hingewiesen wird.
    10. Preisangaben: Die Preisangabenverordnung (PAngV) regelt wie Preise auszuweisen sind. Zu beachten sind:
      • Endpreise sind inkl. Mehrwertsteuer anzugeben
      • bei Waren, die auf Gewicht oder Menge verkauft werden ist ein Grundpreis anzugeben
      • Liefer- oder Transportkosten müssen ausgewiesen werden

shop-942399_640

(Quellen: Präsentation IHK Magdeburg: „Rechtssichere Internetseite- Rechtlich richtig Werben“; www.pixabay.com)

Über Kathleen Friedrichs

Frau Friedrichs ist Lehrerin für Geschichte und Biologie. Seit 15 Jahren verwendet sie ausschließlich Linux und ist eine begeisterte Anhängerin von Open Source. Sie verfügt über Sprachkenntnisse in Polnisch, Russisch und Englisch.

Kommentare deaktiviert für Rechtssicherheit im Online-Handel

Elbe-Brücken-Lauf 2016

veröffentlicht in Consulting am 8. Jun. 2016 Tags: ,

In Magdeburg fand zum 14. Mal der Elbe-Brücken-Lauf statt. Dank der Idee von Nikolina nahm auch ein kleines initOS-Team am Lauf teil. Nikolina, Conrad und Frederik gingen über die 13 km und Kathleen über die 5 km Distanz an den Start. Unterstützt wurden die initOS Läufer von ihrem Kollegen Thomas. Insgesamt kamen am  29. Mai 1726 Läufer ins Ziel. Alle Teilnehmer von initOS waren im Ziel zufrieden mit ihrer erbrachten Leistung.

zumstart

vorlaufvorlauf2

 

Frederik sagt über den Elbe-Brücken-Lauf: „Besonders gefreut hat mich, dass Nikolina trotz eines schmerzenden Beines durchgehalten hat. Conrad hat sich als super Teamplayer erwiesen und Nikolina bis ins Ziel unterstützt. Insgesamt bin ich auf die Teilnehmer sehr stolz und hoffe, dass bei ähnlichen Events in der Zukunft noch mehr Kollegen ihren Sportgeist unter Beweis stellen und mitmachen.“

 

ziel

Über Kathleen Friedrichs

Frau Friedrichs ist Lehrerin für Geschichte und Biologie. Seit 15 Jahren verwendet sie ausschließlich Linux und ist eine begeisterte Anhängerin von Open Source. Sie verfügt über Sprachkenntnisse in Polnisch, Russisch und Englisch.

Kommentare deaktiviert für Elbe-Brücken-Lauf 2016

Workshop zur weiteren Odoo Strategie in Brüssel

veröffentlicht in Consulting,Software Engineering am 2. Jun. 2016 Tags: , ,

Als langjähriger Odoo Partner, der seit den Zeiten von TinyERP (so hieß Odoo bevor es in OpenERP und letztlich dann in Odoo umbenannt wurde), Teil des Ökosystems und der Community ist, hielten wir es für sinnvoll der Einladung von Odoo zu einem eintägigen Strategie-Workshop nach Brüssel zu folgen. Um es vorweg zu nehmen: Dies war eine richtige Entscheidung!

odoo_strategy_meeting

Zunächst haben alle drei Führungspersonen ihre individuellen Perspektiven vorgestellt. Ihre Anwesenheit und ganztägige Teilnahme an diesem Meeting kann bereits als kleiner Kulturwandel und Zeichen der Wertschätzung gegenüber der anwesenden Partner bezeichnet werden. Fabien Pinckaers (Gründer und CEO) hat dabei interessante Einblicke in die sehr einzigartige Unternehmenskultur von Odoo selbst gegeben, während Xavier Pensaers das Partnerökosystem beleuchtete sowie Projekterfolgs- und Risikofaktoren herausstellte. Antonie Lesuisse (CTO und Co-Founder) setzte sich letztlich mit der technologischen Fortentwicklung von Odoo auseinander. Massivere Erweiterungen in der für Oktober 2016 geplanten Version 10 von Odoo wird es im Bereich Material Requirements Planning (MRP), also einem Feature was vorwiegend für die industrielle Fertigung interessant ist, geben. Insbesondere wurde hier z.B. Wert auf Versionierung von Fertigungsstücklisten (engl. Bill of Material) und Produktlebenszyklusmanagement gelegt (engl. Product Lifecycle Management). Leider wird ein Großteil der neuen Features nur für Inhaber eines Enterprise Service Contracts von Odoo verfügbar sein. Auch eine neue, native Mobile App, die zunächst für Android Geräte und später auch IOS zur Verfügung stehen soll, wird ausschließlich ein Enterprise Feature sein.

Insbesondere weil die Relation zwischen den Enterprise Features für MRP und der bereits seit einigen Jahren gepflegten und entwickelten MRP-Erweiterung der Odoo Community Association (OCA) weitgehend unklar ist, aber davon ausgegangen werden kann, dass hier bereits existierende Funktionalität aus der Community „nachgebaut“ werden, ist aktuell Vorsicht bei entsprechenden Richtungsentscheidungen geboten.

Erneut hat Fabien Pinckaers darüber gesprochen, dass Odoo sich nunmehr als Hersteller und weniger als Serviceorganisation versteht. Produktdifferenzierungen und ein Fokus auf die funktionale Weiterentwicklung sind vor diesem Hintergrund nachvollziehbare und sinnvolle Schritte. Odoo möchte dabei, nach eigenem Bekunden, ein Minimalismusziel verfolgen und in Richtung v10 und v11 von Odoo die Grundfunktionalität dahingehend bereinigen (engl. Refactoring), das Sonderlocken zurück gebaut und nur „echte“ Standards im Produkt enthalten bleiben. Er riet dazu Geschäftsprozesse auf das System anzupassen und
nicht das System auf die existierenden Kundenprozesse auszurichten. In diesem Zusammenhang stellt Pinckaers fest, dass alleine der Einsatz von Odoo nahezu allen KMU einen sofortigen Mehrwert liefern würde.

Auf die Frage, ob nicht gerade die Nutzung von Open Source Software einen bewusst einsetzbaren Flexibilitätsvorteil aufgrund der besseren Ausrichtbarkeit der IT auf die besonderen, d.h. wettbewerbsrelevanten Teile der Geschäftsprozesse und -modelle erfolgreicher KMU erlaube und damit einen signifikanten Vorteil gegenüber proprietärer Alternativen wie etwa SAP oder Sage liefere, antwortete er mit den Worten: „Sorry but i think this is marketing bullshit“.

Wir bei initOS halten diese Auffassung für falsch. Auch wir halten es zunächst für zwingend notwendig im Rahmen einer sachkundigen GAP-Analyse im Einzelfall genau zu betrachten, welcher Teil der individuellen Geschäftsprozesse tatsächlich einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil liefert. Auch nur für diesen Teil der Prozesse sollte die Nutzung der flexiblen Anpassung von Open Source Software evaluiert und bewertet
werden.

Bei sachkundiger Durchführung halten wir allerdings gerade diese flexible und kundenindividuelle Anpassbarkeit der Software für eines der schlagenden Argumente für ein Open Source Produkt wie Odoo und nicht etwa die erzielbaren Kostenvorteile bei den Lizenzgebühren.

Sollten Sie Fragen haben, wenden Sie sich gerne direkt an uns. Wir unterstützen Sie gerne.

Über Frederik Kramer

Technischer Geschäftsführer der initOS GmbH und Doktorand am Magdeburg Research and Competence Cluster (MRCC) der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Ihr Experte im Bereich der Strategischen Nutzung von Open Source Software im Unternehmen.

Kommentare deaktiviert für Workshop zur weiteren Odoo Strategie in Brüssel
Nächste Seite »